Noch 504 Stunden

Ich kann mich noch an den aller ersten Tag hier erinnern, als wir mit dem Chana von Thapiso und Justice vom Flughafen abgeholt wurden. Es hat in Strömen geregnet und Gewittert. Danach ging der Aufenthalt in Pretoria erst richtig los. Ich lernte meine Co-worker kennen, arbeitete mich ein, machte Ausflüge nach Cape Town, in Townships, ging an Wochenenden zu Park Acoustics oder anderen Konzerten, traf viele Leute kennen, lernte ein wenig Tswana,  und machte mich am Ende des Tages auf den Heimweg zurück in meine WG. Ich habe in diesem Jahr bisher so viel erlebt, dass man es schwer zusammenfassen kann. So ist es umso schwerer zu realisieren, dass es ab morgen nur noch 21 Tage bis zum Heimflug sind. Ich denke es ist daher an der Zeit eine Art Fazit von meiner Zeit in Südafrika zu ziehen.

Als ich mich vor mehr als einem Jahr für das Auslandsjahr beworben habe, wusste ich nicht genau, auf was ich mich einlasse. Aber ich hatte auch keine Angst vor der Ungewissheit. Durch die freundlichen Leute und Mitfreiwilligen des DSJWs und den FRIENDS war mir von Anfang an klar, dass das Auslandsjahr das Richtige für mich ist. Außerdem wollte ich in ein andere Kultur – und damit meine ich nicht den kulturellen Unterscheid zwischen Nord und Süddeutschland, sondern eine komplett andere, weit weg von zu Hause. Jetzt kann ich definitiv sagen: Es war genau die richtige Entscheidung.

Aber ich schreiben den Blog ja nicht nur für mich, sondern vor Allem für die nächsten Generationen von Freiwilligen. Also interviewe ich mich für euch mal selber:

 

Würdest du das Auslandsjahr insgesamt weiterempfehlen?

Ja, auf jeden Fall! Man lernt hier eine total symphatische Art zu Leben kennen. Südafrika ist tatsächlich eine “Rainbow Nation”. Man lernt nicht nur andere Kulturen kennen, man kann auch jedes Wochenende entscheiden, welche man erleben möchte. Wenn einem hier langweilig wird, ist man selber schuld. Wichtig ist nur, dass man eine sehr offene Person ist – dann kann ich es auf jeden Fall weiterempfehlen.

 

Wem würdest du ein Auslandsjahr mit den FRIENDS oder dem DSJW empfehlen?

Allen, die offen für eine neue Kultur sind, die sich ein Zimmer teilen können, die keine Angst haben, neue Leute kennenzulernen, die keine Vorurteile gegenüber Randgruppen der Gesellschaft haben, die keine Angst haben, in einer streng christlichen Organisation zu arbeiten… Kurz gesagt: Allen, die ihre Ansprüche für ein Jahr im Vergleich zu deutschen Standarts, was Wohnung und Sauberkeit vor Allem angeht, zurückschrauben können. Trotzdem kann man hier genau so gut für weniger Geld feiern und essen gehen, wie in Deutschland – man muss also ein wenig Luxus nicht vermissen.

 

Wie ist die Arbeit für Freiwillige?

Die Arbeit ist von Projekt zu Projekt anders, meine Arbeit im Isithebe Team als IT-Guy kann ich aber uneingeschränkt weiterempfehlen! Durch meine IT Kenntnisse habe ich hier einen riesigen Vorteil und werde dringend gebraucht. Ich konnte alle Projekte verwirklichen, da ich direkte Unterstützung und Vertrauen vom ganzen Team, besonders von Wilna (unsere CEO) bekommen habe. Noch dazu habe ich hier eine total symphatische Chefin, meine South African Mama Shingi. Ganz so einfach haben es hier nicht alle, da hatte ich Glück.

 

Denkst du, dass du dich in deinem Auslandsjahr weiterentwickelt hast?

Hätte ich diesen Schritt nicht gewagt, hätte ich mich mit Sicherheit nicht so weiterentwickelt, wie ich es nun getan habe. Ich habe mit Drogensüchtigen gesprochen, mich intensiv mit dem Thema Rassismus und Religion beschäftigen müssen, mit Frauen geredet, die Jahre lang von ihren Männer missbraucht wurden, mich täglich mit kulturellen Unterschieden auseinandergesetzt und vieles mehr. Natürlich bin ich trotzdem kein komplett anderer Mensch geworden, aber einen anderen Standpunkt zu bestimmten Themen habe ich schon entwickelt.


 

Am 3. August sind hier die Wahlen für die Stadtbezirke, die alle 4 Jahre stattfinden. Ich darf zwar nicht Wählen, aber frei habe ich trotzdem. Der Electionsday ist nämlich ein nationaler Feiertag in Südafrika. Die ANC wird bereits in Prognosen als großer Verlierer in Pretoria und Johannesburg gehandelt, mal sehen!

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Economic Freedom Fighters Plakate – sehr links einzuordnen. „Free flushing toilets for all“, „Free electricity and water for the poor“

 

Wahrscheinlich war das hier schon mein vorletzter Blogeintrag. Schade, dass das Jahr so kurz war! Dieses Wochenende geht es zum OppiKoppi Festival: http://www.oppikoppi.co.za , die darauf folgende Woche startet das Feast Of The Clowns.

LG, Nik 🙂

 

 

 

Endspurt!

Nur noch einen Monat bleibt mir im schönen Südafrika über. Soll ich mich jetzt auf das kalte Deutschland freuen oder traurig sein, dass ich Pretoria verlassen muss? Wahrscheinlich ein bisschen von beidem. Fest steht aber: Ich komme wieder zu Besuch nach Südafrika!

Am Montag haben wir ein ‘Business Breakfast’ für potenzielle Geschäftspartner und Spender veranstaltet. TLF wurde vorgestellt, es gab Kaffee und Kuchen und anschließend wurde eine Tour durch die unterschiedlichen Communities von TLF gemacht. Ich durfte das gesamte Event als Paparazzi begleiten – passender Weise stand daher auch auf meinem Namensschild ‘Media’.

Hier ein paar Einblicke:

 

Ich arbeite außerdem weiterhin daran, die Webseite von TLF ( http://tlf.org.za )  aktuell zu halten. Neu sind unter anderem die Refelctions: http://tlf.org.za/reflection .

Ein neuer Auftrag, an dem ich momentan arbeite ist http://ccmresearch.org.za – eine Webseite, die als Depository für Artikel des Centre For Contextual Ministry (University of Pretoria, Faculty For Theology) dient.

 

Ich melde mich wahrscheinlich spätestens in 2 Wochen wieder,

Nik

Raus aus dem Büro, Ab nach Hartbeespoort!

Schon einen Monat ist es her, dass ich das letzte mal einen Blogeintrag veröffentlicht habe. Jetzt wird es mal wieder Zeit – obwohl es eigentlich kaum etwas Neues zu erzählen gibt!
Neben der Fußball EM und meiner Arbeit steht momentan nicht viel an. Eben das Übliche. Nun kommen allerdings die Vorbereitungen für Deutschland hinzu. Studienplatz, Wohnung und all sowas eben.
Letztes Wochenende habe ich mich dann allerdings doch wieder einmal aus meinem Nest rausgewagt – und zwar auf einen Wochenentrip nach Hartbeespoort!

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Hartbeespoort ist eine kleine Stadt mit Restaurants, einem Zoo und einem Berg, auf den man mit einer Cableway hochfahren kann. Es gibt nicht viel zu tun, aber schöne Natur gibt’s dafür:

 

In 57 Tagen fliege ich schon wieder nach Hause. Wo ist die ganze Zeit hin?

Arbeit & Safari-Video

Hey! Meine letzten drei Wochen bestanden hauptsächlich aus der Arbeit und zwei Ausflügen nach sweet Jozi Joburg. Aber dazu gleich, vorher könnt ihr euch noch ein Video zu unserer Botswana/Zimbabwe Safari anschauen, von der ich bereits berichtet habe:

 

In letzter Zeit habe ich viele Überstunden gemacht, bin dafür aber auch endlich voran gekommen: Die neue TLF Webseite ist online! Hier könnt ihr sie erreichen:

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www.tlf.org.za

Ich war und bin für alles auf der Webseite zuständig, weshalb ich ziemlich viel Zeit in den Aufbau der Seite stecken musste: WordPress installieren, Template kaufen, Bilder zusammen suchen, Meetings mit Wilna arrangieren, Texte sammeln und teilweise selber formulieren, Search Engine Optimization, damit man TLF auch über Google findet, Google Analytics installieren, damit wir wissen welche Seiten am häufigsten aufgerufen werden – aber ich will euch nicht weiter langweilen. 🙂 Aber die Arbeit war es wert – jetzt bleibt definitiv etwas von mir hier! Nun gilt es, die Webseite mit Google Ads zu verknüpfen, damit wir Werbung für uns machen können und ebenso ein funktionierendes Online-Spendenmanagment einzurichten. Allerdings gestaltet sich das alles gar nicht so einfach.

Zusätzlich sind jetzt auch noch 47 (!!!) neue Computer plus Bildschirm an TLF gespendet worden. Leider fehlen hier und da einfach mal ein paar Hardware Komponenten. Und jetzt ratet mal, wer die alle auf Funktionalität testen darf? Richtiiiiiiiiiig – ich. Also an Arbeit mangelt es mir hier definitiv nicht.

Außerdem habe ich noch ein paar Laptops repariert, PCs auf Viren gescannt, Emails eingerichtet, Mike’s Webseite aktualisiert, Microsoft Office installiert, hier und da ein Poster entworfen – das Übliche eben.

 

Virenscan von einer der externen Festplatten von TLF
Virenscan von einer der externen Festplatten von TLF

 

Die letzten beiden Wochenenden waren eigentlich auch recht ereignisreich. So war ich vorletzte Woche in Sandton, einem der reichsten Orte Südafrikas. Allerdings habe ich mich neben Shops von Porsche, Hugo Boss, Armani und Ferrari nicht sehr wohl gefühlt. Die Leute waren gefühlt alle stinkreich und spießig – eher nicht so mein Ding. Und zu allem Überfluss standen an den Klamotten in den Schaufenstern nicht einmal Preise – Ein ganz klares Indiz dafür, dass ich definitiv nicht zu deren Zielgruppe gehöre.

Am darauf folgenden Wochenende waren Frieda und ich beim Iron Maiden Konzert in Johannesburg.  Auf der Hinfahrt zu Freiwilligen von ELM, die in Johannesburg wohnen, haben wir einen Bus ab der Universität genommen und fuhren kurz durch Hillbrow, einem der kriminellsten Viertel Joburgs. Tatsächlich fuhren wir sogar an einer Leiche vorbei, die am Straßenrand unter einem silbernen Tuch lag und gerade von der Polizei untersucht wurde. Ziemlich gruselig – da laufe ich sicherlich nicht alleine rum! Später nahmen wir dann von der Wohnung der anderen Freiwilligen ein Uber zum Konzert. Die Tickets waren ungefähr halb so teuer, wie in Deutschland. War ein witziger Abend!

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Am Wochenende geht es dann wieder mal weg. Dieses mal lauetet unser Ziel „Bushfire Festival“ in Swaziland! Drei Tage Musik und meinen Geburtstag feiern – da freue ich mich drauf. 🙂

Heute in 3 Monaten bin ich dann auch schon wieder zu Hause. Ich bereite mich schon mal mental auf meinen Kulturschock vor.

Und einen Döner und eine Currywurst mit Pommes!!! 🙂

 

LG, Nik

Mamelodi

Die letzten beiden Wochenenden waren wir von Thapiso in Mamelodi zu einer „Vorhochzeit“ und der Hauptfeier der Hochzeit eingeladen.

 

Mamelodi

Das 1953 gebaute Mamelodi (Mutter der Melodien) ist ein Township bei Pretoria mit ungefähr 350.000 Einwohnern. Im Zuge der Apartheitspolitik (Anfang des 20. Jahrhunderts bis 1994) war Mamelodi ausschließlich für schwarze Bewohner vorgesehen. Das Township diente, ebenso wie die umliegenden Townships Ga-Rankuwa, Soshanguve und Atteridgeville, dem Zeck, schwarze Bewohner Pretorias gewaltsam dorthin umzusiedeln. Heutzutage sind ungefähr 99% der Einwohner Mamelodis schwarz (Black Africans). Die am häufigsten gesprochenen Sprachen sind Tswana, Zutu und Sepedi (Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Mamelodi).

 

„Die Vorhochzeitsfeier“

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Also machten wir uns Samstags morgens auf den Weg durch die Innenstadt Pretorias, um ein Minibustaxi nach Mamelodi zu nehmen. Insgesamt waren wir 7 Leute: Gaza, Thapiso, Marry Ann, Mr P, Jonny, Frieda und ich – um mal ganz genau zu sein. Auf der Fahrt kamen wir an vielen Wellblechhütten vorbei – wie eben für ein Township üblich.

Als wir ankamen war die Feier schon im vollen Gange. Viele Leute saßen auf ihren Stühlen und begrüßten uns traditionell mit „Begrüßungsrufen“. Das ist zu traditionellen Feiern so üblich und eine Art Ausdruck von Freude. Also sagten wir erst einmal hallo, lernten die Familie und das Brautpaar kennen und kauften uns ein paar Bier um die Ecke. Die Einwohner reagierten wirklich sehr überrascht darauf, Weiße im Township zu sehen. Das finde ich immer noch recht witzig. Also setzten wir uns hin, tranken uns ein paar Bierchen, aßen das Essen (unter anderem gab es Kuhfüße, an denen sogar noch Haare dran waren – ziemlich ekelig) und kamen mit vielen Leuten ins Gespräch. Die Menschen dort waren unglaublich freundlich und waren sehr interessiert, was wir hier machen und wo wir genau her kamen. Wir wurden sogar direkt zur Hochzeitsfeier eingeladen. Letztendlich lernten wir noch einen Mann kennen, der mit uns eine kleine Führung um den Block und sogar in zwei Häuser machte. Ein sehr gelungener Tag, weshalb wir direkt beschlossen auch zu Hochzeit am nächsten Wochenende zu kommen.

Die Hochzeit

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Das darauf folgende Wochenende machten wir uns also wieder auf den Weg in Richtung Mamelodi. Dieses Mal bogen wir allerdings auf eine Farm ab, die Räume für Hochzeiten zur Verfügung stellt. Als wir ankamen, ging die Zeremonie gerade los. Die meisten waren sehr förmlich gekleidet, ähnlich wie in Deutschland. Einige rannten allerdings sogar im Fußballtrikot rum. Die Predigt begann damit, dass der Pastor sich über die 3 Stunden Verspätung beschwerte.

Nach der Predigt gab es dann Essen und zu Trinken. Wieder war alles kostenlos. Daher waren schon um 3 Uhr mittags einige der Gäste hackestramm. Insgesamt war die Feier weniger traditionell, eher modern, aber natürlich trotzdem sehr witzig und die Menschen waren auch wieder super freundlich. Ein gelungener Tag. J

 

Gabotse,

Nik

Dreiländersafari – Südafrika, Botswana & Zimbabwe

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Unsere Route

Am Freitag, den 8. April 2016, startete unsere Dreiländersafari von Südafrika über Botswana zu den Victoria Falls in Zimbabwe. Richard (einer der Boardmember vom DJSW) und Dave (ein erfahrener Ranger) waren die Organisatoren und Reise. Insgesamt haben 13 Freiwillige an der Safari teilgenommen.  Dave hatte das Essen und Trinken organisiert, das wir für die kommende Tage brauchten. Zwei Bakkies standen uns zur Verfügung, um die Natur des wilden, südlichen Afrika zu erkunden.  Jonny hat viele schöne Fotos während der Tour gemacht!

 

Tag 1

Also ging es am ersten von Richards Haus zur „Thaba Moriri Game Farm“ bei Bela Bela. Wir fuhren 2 Stunden dort hin. Gleich als wir ankamen schauten uns zwei Giraffen an, die mitten im Weg standen. Bei der Farm besprachen ein paar Regeln und hatten einen Braai. „Morgen geht es ins richtige Afrika“, meinte Richard.

 

Tag 2

Der zweite Tag startete allerdings nicht so gut, wie wir es uns erhofft hatten. Damit wir rechtzeitig die 5 Stunden Fahrt zur Grenze bei Botswana und zum „Molema Bush Camp“ zurücklegen, wollten wir früh morgens los fahren – allerdings startete das Auto nicht mehr. Also schoben wir an und versuchten das Auto zu starten, aber nichts passierte. Auch Berg ab ging das Auto nicht an. Also kam ein anderer Ranger, der das Auto zum nächsten Mechaniker abschleppte, der feststellte, dass die Benzinpumpe kaputt war. Allerdings hätte die Reparatur ein paar Tage gedauert. Zum Glück konnte Richards Freund uns seinen Bakkie für die weitere Tour leihen.

Also starteten wir mit 4 Stunden Verspätung. Bei der Grenze wurden die Ausweise kontrolliert und schon waren wir in Botswana. Nach ein paar Stunden Autofahrt auf der offenen Tragfläche des Bakkies, auf dem wir zu fünft in Schlafsäcke eingewickelt schliefen, erreichten wir das Camp. Plötzlich waren wir mitten im Busch. Mittlerweile war es dunkel, was das Ganze noch ein wenig gruseliger machte. Angekommen in unserer Campingstelle erzählten uns die Ranger, dass wir hier sicher wären. Die Löwen und andere Genossen würden normalerweise nicht in das Camp laufen, sagten sie und deuteten auf einen Holzzaun, der etwa kniehoch, alt und nicht einmal komplett durchgezogen war. Die Information, dass Löwen eher weniger daran interessiert sind, uns zu futtern, beruhigte uns dann doch ein wenig. Also bauten wir unsere Zelte auf, in denen wir die restlichen Nächte verbringen werden sollten und kochten etwas zu Essen.

Mitten in der Nacht, so gegen 4 Uhr morgens wachte ich plötzlich in meinem Zelt auf, das ich mir mit Jonny teilte. Irgendetwas brüllte circa 50 Meter neben unserem Zelt. Oder war es noch näher? Und was war das? Schon wieder hörte man ein Brüllen. Sind das Löwen? Plötzlich war ich hellwach, im Gegensatz zu Jonny, also weckte ich ihn schnell. Die Löwen brüllten bestimmt noch weitere 20 Minuten. Ein bisschen gruselig war es schon.

 

Tag 3

Der dritte Tag startete wie geplant. Zelte eingepackt, gefrühstückt und auf geht’s. Das Ziel war das 6 Stunden entfernte „Sowa Pan“. Auf der Tragfläche das Bakkies war es diesmal ziemlich kalt, also hielt ich es für eine gute Idee meine Cap aufzusetzen. Ein heftiger Windstoß und plötzlich flog meine Lieblingscap irgendwo auf der Hauptstraße herum. Immerhin sorgte meine Blödheit für gute Laune bei den Anderen… J Bevor wir das Sowa Pan erreichten hielten wir kurz bei einer Schule an, um unsere Wasservorräte aufzufüllen. Gesagt, getan und weiter ging es. Also kamen wir irgendwo im nirgendwo an, mitten in der Wildnis. Links das Wasser, rechts der Busch und da hinten lag ein Skelett von einem Tier herum. Ein guter Platz um die Zelte aufzustellen und den Sonnenuntergang zu genießen. Die Landschaft war extrem flach, sodass man sehr weit sehen konnte. Richard meinte, man könne hier manchmal sehen, dass die Erde rund sei. Davon habe ich nichts gesehen, beeindruckend war es aber trotzdem!

Erstmals teilten wir einen Nachtdienst ein, bei dem man 1,5 Stunden am Lagerfeuer saß und auf das Feuer aufpasste. So hält man in der Wildnis zum Beispiel Löwen fern, weil sie Angst vor Feuer haben.

Am nächsten Morgen hat sich Jonny beim Sonnenaufgang anschauen verlaufen und hat nicht mehr ins Camp zurück gefunden. Mehr als eine Stunde ist er durch die Wildnis geirrt, bevor wir ihn wieder gefunden haben.

 

Tag 4

Auch den vierten Tag unserer Reise sollten wir mitten in der Wildnis Botswanas verbringen. Die Fahrt durch den Busch lief auch nicht ganz so gut, plötzlich blieben wir mit unserem Bakkie mitten im Schlamm hängen. Also mussten wir aussteigen und den Wagen mit unserer Muskelkraft aus dem Matsch schieben – das ging aber alles ganz flott, innerhalb von ein paar Sekunden waren wir zum Glück wieder auf einer „befahrbaren Straße“. Kurz darauf kamen wir mal wieder irgendwo im nirgendwo an, bauten unsere Zelte auf und holten genug Feuerholz für die Nacht. Diesmal konnte man die Rundung der Erde aber definitiv nicht erahnen, die Vegetation war viel zu dicht. Ein kompletter Gegensatz zum Tag bevor.

Also erkundeten wir gemeinsam mit Dave die Umgebung. Circa 25 Meter von unserem Camp entfernt, konnte man Spuren eines Löwen und von Impalas finden. Ein Elefantenskelett gab es ebenfalls zu bestaunen. Des Weiteren fielen uns viele Geier auf, die in einem Baum saßen, der etwa 100 Meter entfernt war. Als wir vorbei liefen, konnte man einen schönen Duft von Verwesung wahrnehmen. Lekker!

 

Tag 5, 6, 7, 8

Am fünften Tag fuhren wir nach Zimbabwe zu den Victoria Falls. Doch die Grenzkontrolle von Botswana nach Zimbabwe gestaltete sich durch viel Papierkram recht langwierig. Als wir dann endlich in Zimbabwe waren, durften wir auf einer der schlechtesten Straßen fahren, die ich je gesehen habe. Trotzdem mussten wir eine Gebühr für die Benutzung der „Straße“ bezahlen. Die Straße war mit den zuvor befahrenen Straßen mitten in der Wildnis zu vergleichen. Trotzdem kamen wir – wie immer – irgendwie dann doch an.

In den folgenden Tagen sollte es einige Dinge zu entdecken geben:

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Auf dem Hinweg kamen wir an einem roten Fluss vorbei. Die Färbung kommt unter anderem durch die mitgeführten Sedimente wie Eisenoxid zustande.

 

Die Victoria Falls waren atemberaubend. Die Wassermassen waren so riesig, dass man eigentlich gar nicht so richtig fassen konnte, was man da eigentlich gerade sieht. Wenn man oben auf dem Berg, gegenüber von den Victoria Falls stand, wurde man von oben nass geregnet. Die Wassermassen prallen mit solch einer Wucht auf den Boden, dass man sogar auf der anderen Seite komplett nass wird. Als hätte man mit Klamotten geduscht!

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Gaza, einer unser Nachbarn mit ZimDollars

Einige der Einwohner versuchten verzweifelt, Touristen allen möglichen Schnickschnack zu verkaufen. Neben den typischen Big Five Holzfiguren war ein beliebtes Souvenir die alte Zimbabwische Währung, Zimbabwian Dollars. Durch die Inflation um 2008 wurden unglaubliche Hunderttausender-, Million-, Billion- und sogar Trillionscheine gedruckt. Einige dieser Scheine hatten sogar ein Ablaufdatum. Die Gelegenheit habe ich mir nicht entgehen lassen und für 3 USD (momentan Währung in Zimbabwe) etwa 10 Scheine gekauft. Das Angebot des Verkäufers, dass wir alle seine Scheine für ein Paar unserer Schuhe haben könnten, lehnten wir dankend ab.

Das Victoria Hotel ist angeblich eines der schönsten Hotels der Welt. Im 5-Sterne Hotel übernachteten schon Prominente wie Michael Jackson. Mir war das Ganze allerdings zu schickimicki. Trotzdem durfte ich mit kurzer Hose, Flipflops und Rugbytrikot in das Hotel. Einen Dresscode gab es anscheinend nicht, doof angeguckt wurde ich aber trotzdem. Die Aussicht aus dem Victoria Falls Cafe, dass einen kleinen Spaziergang hinter dem Victoria Falls Hotel liegt, war allerdings so schön, dass die überteuerten Preise für die Getränke schon wieder gerechtfertigt schienen.

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Affen! Die Affen in unserem Camp gingen uns ganz schön auf die Nerven. Während wir weg waren, versuchten sie alles zu klauen, was wir so liegen ließen. So waren auf einmal Malariatabletten weg und Handtücher in den Bäumen. Als Maßnahme gegen die Affen stellt das Camp Arbeiter an, die mit einer Steinschleuder die Affen vertreiben. Ich frage mich, wie der Beruf wohl bezeichnet wird…

Des Weiteren gingen wir Waterrafting im Zambezi River und konnten den Sonnenuntergang beim Sunsetcruise auf dem Boot, gemeinsam mit den Hippos um uns herum, genießen.

 

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Diktator Mugabe

Doch man auch Zimbabwes politische Situation ist bemerkenswert: Im kompletten Gegensatz zu Botswana ist Zimbabwes Wirtschaft eine der schwächsten der Welt. Trotz einem sehr guten wirtschaftlichen Potenzial (reichhaltige Bodenschätze, Naturschönheiten wie die Vic Falls) lag die Arbeitslosenquote in Folge von „Hyperinflation, Devisenknappheit, fehlenden Investitionen, Import- und Exportrestriktionen und Energieknappheit“ im Jahre 2008 bei über 80% (!!!!!!).  Nicht ganz unschuldig daran scheint der 92-jährige Präsident Mugabe zu sein, dem es wegen Menschenrechtsverletzungen untersagt ist, in die Europäische Union einzureisen. Seit 28 Jahren ist der weltweit älteste Staatsoberhaupt Mugabe Diktator Zimbabwes. In öffentlichen Gebäuden hängt meist ein Bild von Mugabe – das sollte uns als Deutschen doch irgendwie bekannt vorkommen und alle Alarmglocken läuten lassen…

 

 

Tag 9

Leider war unsere Zeit bei den Victoria Falls dann doch irgendwann zu ende, also ging es wieder auf den Heimweg. Das Ziel hieß „Elephant Sands“ in Botswana. Leider erreichten wir unser Ziel nicht, denn auch der zweite Bakkie biss auf der Fahrt dorthin ins Gras. Wir waren mitten auf der Straße, als der Wagen auf einmal den Geist aufgab. Zum Glück dauerte es nicht lange, bis ein sehr hilfsbereiter Einwohner vorbeikam. Praktischerweise war er auch noch Besitzer eines Campingplatzes, der nicht weit entfernt war. So schleppte er uns ab und bot uns kostenlose Unterkunft auf dem Campingplatz. Während wir wieder unsere Zelte aufbauten fanden Richard, Dave und die Retter in der Not heraus, dass wohl ein Stein von unten gegen den Ölbehälter geschlagen haben muss, das Öl ausgelaufen ist und der Motor ohne Öl kaputt gefahren wurde. Rest in Peace Bakkie 2.
Tag 10

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Der vorletzte Tag unserer Reise verlief ähnlich chaotisch, wie der Tag zuvor. Richard schaffte es zum Glück einen Transport zu unserem nächsten Ziel, dem „Molema Bush Camp“ zu organisieren. Also verfuhren wir uns mit unseren beiden geliehenen fahrbaren Untersätzen noch ein wenig, sodass wir etwa 3 Stunden später ankamen, als geplant. Aber alles halb so schlimm. So saßen wir 22 Uhr mitten im Busch Botswanas und verputzten glücklich unser Essen. Sogar eine Hyäne kam uns noch besuchen!

Der letzte Tag bestand nur aus der Rückfahrt vom Camp nach Pretoria.

Insgesamt war unsere Dreiländersafari sehr chaotisch, aber ich würde es sofort wieder machen!

Das war es erst einmal von mir. Demnächst werde ich mal wieder von meiner Arbeit und einem Ausflug in das Township Mamelodi berichten.

Greets,

Nik

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Krüger mit der Familie

In der vergangenen Woche habe ich zusammen mit meiner Familie Pretoria und den Kruger NP unsicher gemacht. Am ersten Tag fuhren wir von Johannesburg zum Kruger durch eine kleine Stadt namens „Numbi“. Numbi erfüllte ein paar Klischees einer typisch afrikanischen Kleinstadt: Menschen, Kühe und Ziegen liefen quer über die Straßen, Frachtcontainer wurden zu kleinen Shops umfunktioniert und Frisöre und Autowäschereien waren überall zu finden.

Kurz vor dem Kruger mussten wir links in einen circa 15 Minuten langen Sandweg einbiegen, um zu unserem Camp „Ntambeni“ zu gelangen. So ganz einfach zu befahren waren die Straßen mit unserem privaten Minibustaxi (Toyota Quantum) allerdings nicht. Auch die Sandstrecken im Kruger sind wesentlich einfacher befahrbar, wenn man mit einem Ranger im SUV fährt. Trotzdem hielt uns das natürlich nicht davon ab, den Kruger Park in den folgenden Tagen zu erkunden.

Wir entschlossen uns spontan,  ebenfalls das Blyde River Canyon Naturereserve zu besuchen. Dort haben wir den Lisbon Waterfall, God’s Window, Bourke’s Luck Pothole und World’s End besucht. Die Landschaft war atemberaubend!

 

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Der letzte kleine Ausflug ging zum Reptilien Park unweit von unserem Camp. Dort konnte man Krokodile, Spinnen, Schildkröten, Schlangen (die gerade ein kleines Ferkel verdrückt haben) und andere Reptilien bestaunen.

Dann ging es endlich nach Pretoria. Wir nutzten direkt den ersten Tag, um eine kleine Tour durch Pretoria zu machen: Von TLF zur Mall neben unserer WG, zum Taxirank, durch die Bosman Station nach Salvokop und Inkululeko und zurück zu unserer WG.

Den zweiten Tag nutzen wir, um mit Pastor Joel eine Tour durch Soweto zu machen.

Für das Potter’s House und Thusanang habe ich bei der Arbeit jeweils einen Banner erstellt, die jetzt gedruckt wurden und außerdem habe ich zwei Webseiten fertiggestellt:

Feast Of The Clowns – www.feastoftheclowns.org

Institute For Urban Ministry – www.instituteforurbanministry.org

Momentan arbeite ich an der TLF Webseite!

 

Also bis zum nächsten Blogeintrag, Nik!

Pretoria FAQ

Da bald Osterferien sind und zu dieser Zeit viele Besucher kommen, schien es mir recht sinnvoll noch einmal die Fragen zusammenzufassen, die mir am häufigsten gestellt werden und sie zu beantworten. Also ab die Post!

 

Welche Sprachen werden in Pretoria gesprochen?

Viele. Mit Englisch kann man sich aber eigentlich immer verständigen. Nebenbei wir hier Setwana (Tswana), isiZutu (Zutu), isiZulu (Zulu), Xhosa, Ndebele, Venda, Afrikaans und und und gesprochen. Oft werden die Sprachen hier auch gemixt. Wer welche Sprache spricht ist nicht auf Anhieb erkennbar.

 

Wie begrüßt man sich?

Hier hört man am häufigsten „Hey howzit“ (kurzform von „Hey how are you“), „Aitah, aitah“ (oder wie auch immer man das schreibt) oder „Awe, awe“. Die jüngere Generation gibt sich oft einen Handcheck in unterschiedlichen Variationen. Auf Tswana ist die typische Begrüßung „Dumela okae?“ (Hey, wie geht’s?), die Antwort ist „Ke teng“. In Pedi sit die Antwort „Ke gona“ – also recht ähnlich.

 

Welche Musik wird gehört?

South African House, Jazz und Black Music vorwiegen, würde ich mal behaupten. Zumindest dort, wo ich mich so rumtreibe.

 

Leben in Pretoria vorwiegend Schwarze?

Ja, auf Central Pretoria – also dort, wo wir leben – trifft das zu. Außerhalb vom Centrum sind allerdings auch sehr viele Weiße. Besonders in Bars, die etwas teurer sind und außerhalb vom Zentrum liegen, trifft man auf einmal fast ausschließlich Weiße. Ziemlich gewöhnungsbedürftig.

 

Sind Südafrikaner wirklich faul?

Alles verallgemeinern soll man ja nicht, aber die Arbeitseinstellung ist schon anders. Sehr anders im Vergleich zu Deutschland. Aber Südafrikaner machen sich ganz objektiv gesehen einfach weniger Sorgen um alles, sind weniger strukturiert und auch weniger bürokratisch. Die Häufigkeit von Burnouts ist sicherlich nicht so hoch wie in Deutschland.

 

Was Essen die Leute bei euch?

Fleisch, Fleisch und noch mehr Fleisch! Ohne Fleisch gilt eine Mahlzeit hier nicht als vollwertige Mahlzeit. Meistens Beef oder Chicken – dazu gibt’s Pap, Reis und Kartoffelsalat, Chakalaka oder Kürbiszeugs. Leider gibt es das Essen bei jedem Event von TLF, daher kann es durchaus sein, dass man nach ein paar Monaten das Chicken mit Pap nicht mehr hören und sehen mag. Aber ich mag’s!

 

Gibt es in Pretoria auch typisch deutsches Essen?

Ja, man muss hier nicht viel missen. Außer Döner! Der fehlt mir. Man bekommt hier sonst aber überraschend viel, was man aus Deutschland kennt: Sauerkraut, rote Bete, saure Gurken oder Bockwurst. Sogar Vla – Pudding aus Milchtüten, gibt’s in den Niederlanden – gibt es hier! Ach und Bitburgern, Erdinger und Paulaner kriegt man sogar auch.

 

Ist es gefährlich in Pretoria? Gibt es eine hohe Kriminalität?

Ja, allerdings kommt es auch darauf an, wo man ist. In Central ist die Kriminalitätsrate noch okay, in Townships und vor allem Johannesburgs (30 min mit dem Auto circa) ärmeren Regionen ist es allerdings wesentlich schlimmer. Wenn man aufmerksam ist, wird einem auch nicht geklaut. Selbstbewusstsein auszustrahlen schadet ebenfalls nicht. Nachts sollte man sich allerdings nicht rumtreiben. Generell gilt meiner Meinung nach: Fühlst du dich in einer Region unsicher, nimm Locals mit.

 

Darf ich auf der Straße mit meinen Wertsachen rumlaufen?

Ja. Mittlerweile habe ich immer mein Smartphone dabei. Allerdings sollte man schon ein wenig darauf achten. Ein Taschendieb hat schon einmal sein Glück bei mir versucht. Zu Beginn des Jahres bin ich lediglich mit einem 5 Euro Schrotthandy rumgelaufen, aber das ist meiner Meinung nach übervorsichtig. Trotzdem sollte man definitiv nicht wie in Deutschland 100 Euro im Portemonnaie haben. Das ist für einige Menschen ein Monatsgehalt, maximal 30 Euro würde ich mitnehmen. Die Kreditkarte würde ich ebenfalls so selten mitnehmen wie möglich mitnehmen, dann ist man auf der sicheren Seite.

 

Ist es sehr warm in Pretoria?

Jaaaaaa. Die gefühlte Durchschnittstemperatur liegt bei 30 Grad. Braun geworden bin ich trotzdem nicht.

 

Kann man in Pretoria feiern, essen, bowlen, shoppen gehen?

Jap!

 

Ist das Autofahren in Pretoria sehr anders?

Ja, klappt aber. Man fährt auf der linken Straßenseite, die Autofahrer fahren alle wie Bekloppte und ab und zu werden Autos „gehijackt“, also quasi geklaut währenddessen man (zu Beginn) noch drin sitzt. Sicherheitshalber sollte man die Türen beim Fahren immer abschließen. Die vielen betrunkenen Autofahrer machen das Ganze nicht besser. Bei mehr als der Hälfte aller Autounfälle steht der Fahrer unter Alkoholeinfluss.  Vorsichtig fahren schadet sicher nicht.

 

Was ist der Nationalsport der Südafrikaner?

Hier gibt es neben den 11 offiziellen Sprachen auch 3 Nationalsportarten: Fußball, Rugby und Cricket.

 

Tanzen Südafrikaner/innen wirklich besser?

Auf jeden Fall!

 

 

 

Und jetzt: Hoch die Hände, Wochenende!

Bis dann, euer Nikiii

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Update – Was ich hier so treibe

Vorsicht! Heute gibt’s 743 Wörter! Deshalb fangen wir mal mit Bilder an:

 

Wir  haben ein Video für die nächsten Freiwilligen erstellt, in dem alle Projekte,  Freiwilligen  und unsere Wohnung vorgestellt wird. Sobald ich es hochgeladen habe werde ich es im nächsten Blogeintrag veröffentlichen! 

Der letzte Blogeintrag ist schon wieder eine ganze Weile her, vielleicht liegt das daran, dass ich eigentlich immer etwas zu tun habe oder mittlerweile vieles als “normaler” und “selbstverstaendlicher” abstempel und mir gar nicht mehr so richtig bewusst ist, worüber ich schreiben könnte: Die Obdachlosen, die in dreckigen Klamotten durch die Straßen streifen und “hustlen” (Geld sammeln durch betteln, klauen usw); dass man hier in CBD (Central Pretoria)  kaum Weiße sieht; dass man nur 5 Minuten aus Central rausfahren muss und schon in einem komplett weißen Afrikaanerviertel ist; das um mich herum standing Tswana, Pedi, Xhose und co gesprochen werden; dass man im Dunklen nicht mehr durch die Straßen laufen darf; dass wir als Weiße bevorzugt angebettelt werden, weil wir angeblich reich sind; dass es an einigen Straßenecken sehr „interessant riecht“ (= fürchterlich stinkt) und und und. Anscheinend habe ich mich daran einfach gewöhnt. Allerdings habe ich natürlich trotzdem so einiges erlebt, also los gehts.

Ein weißer Obdachloser ist an Weihnachten zu uns gestoßen. Er kommt aus Joburg, ist circa 26 Jahre alt, hat früher als Sicherheitsbeauftagter bei Bauunternehmen gut verdient und ist dann durch Spielen, Cagefighting, dem Tod seiner Mutter und einer daraus folgende Drogensucht immer weiter abgerutscht. Ein Jahr lang habe er nahezu jeden Tag CAT (Kokaingemisch) und Crystal Meth genommen und Ephedrine und Steroide für die Kämpfe konsumiert. Dadurch habe er seinen Job, seine Ehefrau und seine Unterkunft verloren. In den letzten Wochen habe ich viel mit im geredet und ihm bei Bewerbungen geholfen. Durch seine hohe Qualifikation hat er es tatsächlich geschafft, nach nur 2 Wochen einen Job als Safety Officer zu finden. Nun arbeitet er in Central, verdient gutes Geld, hat eine Wohnung und ist seit 3 Monaten clean. Das mussten wir dann natürlich erstmal feiern!

Eine weitere interessante Begegnung ist ein Mann, der bei der Fremdenlegion, eine der angeblich härtesten Armeen der Welt, gearbeitet hat. Dort hat er Kämpfer ausgebildet, ist in unterschiedliche Länder der Welt zu Einsätzen gereist und ist nun bei TLF gelandet. Seine Erfahrungen und Erlebnisse hat er in einigen Büchern festgehalten, in die ich gerne in naher Zukunft reinschauen möchte.

Solche Menschen sind für mich der Grund, warum ich hier bin. In Deutschland hätte ich diese Erfahrungen und Begegnungen mit Sicherheit nicht gemacht.

Also, was habe ich ansonsten so in den letzten Wochen gemacht? Ich war öfters bei den Artists bei uns im Hof und habe Gitarre mit ihnen gespielt (die sind immer sehr entspannt dort und ihre Wohnung steht eigentlich allen immer offen), am Valentinstag sind wir mit allen Essen gegangen, wir haben ein paar Locals kennengelernt, mit denen wir feiern gegangen sind und ich habe James Bond Spectre für umgerechnet 70cent (!!!) im Kino geguckt. Des Weiteren hatten wir ein Zwischenseminar mit allen Freiwilligen bei dem wir über Rassismus, unsere Schwierigkeiten und Probleme, interkulturelle Differenzen und vieles mehr geredet haben. Endlich hat man mal alle Freiwilligen wieder gesehen! Außerdem haben wir Innocent und Dimakatso verabschiedet. Sie sind jetzt in Deutschland, Innocent arbeitet in Berlin und Dimakatso in Hannover. Ich habe schon mit ihnen geskypet, ihnen geht es gut und sie sagen, dass Deutschland schön und sauber, aber sehr kalt ist und die Arbeit anstrengend, aber gut.

Bei der Arbeit läuft es wie immer seht gut. Ich bin momentan damit beschäftigt eine Präsentation über Windows, Powerpoint, Excel, Word, Viren und häufige Probleme mit Computer zu erstellen. Mit Shadja zusammen darf ich dann einen Vortrag vor allen Coordinators von TLF halten. Außerdem bin ich immer noch mit Google For Non Profits beschäftigt. Für einen Coordinator von TLF erstelle ich momentan die Webpräsenz www.instituteforurbanministry.org . Fühlt sich ein wenig so an, als würde ich in einer Werbeagentur arbeiten. 🙂 Also: Arbeit läuft. Falls es jemanden im Detail interessiert, wofür ich alles zuständig bin, ist hier meine Job description in Englisch: Job description

Mir ist aufgefallen, dass ich noch gar nicht die Bilder von Weihnachten veröffentlicht habe. Also, Weihnachten in der WG bei gefühlten 40 Grad:

 

Und noch eine gute Nachricht zum Schluss: Letztens waren wir im Capital Craft und haben uns nach 6 Monaten ein echtes, deutsches, kaltes Bitburger vom Fass getrunken. Eigentlich dachte ich, dass ich deutsches Bier nicht vermisst habe… Da habe ich mich wohl getäuscht. Passend dazu ein kleiner Sprachkurs:

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Gabotse!